Herausforderung und Befreiungsschlag zugleich. Wie so oft im Leben.

 

Als Kind konnte man mich mit Bergen und deren Besteigung zur Verzweiflung bringen. Ich kann mich an keine Wanderung erinnern, bei der es kein Gemeckere oder Gejammere meinerseits gegeben hat. Eher bin ich als Schlusslicht der Truppe hinter allen anderen hergetrottet, mit einem trübseeligeren Gesichtsausdruck, als es für ein kleines Mädchen gut ist. Absurderweise – denn ich komme aus einer sehr naturverbundenen Familie und vorallem durch meinen Vater, sollte das Bergsteiger-Gen in mir sehr ausgeprägt sein. Außerdem hatte ich immer schon genug Energie um fünf Haushalte damit zu versorgen, man sollte also meinen, dass Bewegung an der frischen Luft, von viel Natur umgeben – in der es immer etwas zu entdecken gibt – mir Freude bereitet hat. Aber Nein. Tja, Kinder sind Sturköpfe und ich war der allergrößte davon. Irgendwann habe ich dann einfach aufgehört, zu Familienausflügen, die über Hügellandschaften führen, mitzukommen.

In den letzten Jahren hat sich etwas verändert. Ich habe Lust bekommen zu Gehen, zu Spazieren, zu Wandern. Ich wollte hoch hinaus und auch dieses Gefühl, am Gipfel eines erklommenen Berges empfinden. Seitdem taste ich mich immer mehr und mehr an die Welt des Wanderns und des Kletterns heran. Man kann meine Kindheit also als rebellische Phase abstempeln, in der ich einfach dagegen sein und die Strapazen nicht auf mich nehmen wollte.

Gerade war ich auf Urlaub in der Ramsau. Hier bin ich dann – nach ein paar Wanderungen im letzten Jahr, die jeder schafft, der nicht an sein Bett gekettet ist – meinen ersten Klettersteig am Koppenkarstein gegangen. Das in traumhafter Kulisse, mit Blick auf den Dachstein und ich habe mich verliebt.

Ein Berg, der sich vor einem auftut und durch den man sich unfassbar klein fühlt. Die frische Luft, die einen glauben lässt, das erste Mal seit langer, langer Zeit wirklich durchzuatmen. Die größtenteils unberührte Natur, deren Schönheit einem fast die Tränen in die Augen treibt. Der Fokus auf jeden Tritt, neben dem kein Platz für andere Gedanken ist. Die körperliche Anstrengung, die einem am Ende zeigt, zu was man eigentlich in der Lage ist. Und dann das Ankommen. Das Ankommen am Gipfel, das Ankommen am Ziel und das Ankommen bei sich selbst.

Mit dem Blick über die Landschaft und bis in den letzten Winkel des Horizonts, fühlt man sich unbedeutend und winzig, im selben Moment aber auch so frei. Nichts ist mehr wichitg und man bemerkt, wie wenig man braucht. Noch schöner ist dieses Erlebnis natürlich, wenn man es mit Leuten, die einem sehr viel bedeuten, teilen kann. Es wird bestimmt nicht mein letzter Klettersteig, und schon gar nicht mein letzter Wanderurlaub gewesen sein.

2 Replies to “Der Dachstein und die Wanderlust

  1. Die Natur wertschätzen, innehalten und dankbar sein…….auch das ist Glauben. Da ist man dem Himmel oft näher, als in einer Kirche. Diese übergeordneten Werte würden verschiedene Religionen vereinen. So ist es gedacht, denke ich……..Danke Lisa für diesen Artikel!!!

  2. Es ist schön diese Worte aus deinem Mund zu hören, denn-so wie du geschrieben hast-war es in deiner „rebellischen “ Zeit ganz anders. Mich freut es, zu sehen, wie du in der „Berg genießen und
    Auftanken“ Welt angekommen bist. Allein dein seliges Lächeln am Klettersteig und zu Sehen wie
    du dies alles Genießen kannst, ist für mich ein großes Geschenk. Ich freu mich schon auf
    eine Fortsetzung….

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