Anfang des Jahres habe ich ein Buch von Elizabeth Gilbert gelesen – „Big Magic“. Darin dreht es sich hauptsächlich um die Themen Angst und Kreativität, und darum, wie das eine, das andere, quasi im Keim ersticken kann.

Die Angst – Der Endgegner

Wenn man einmal genauer darüber nachdenkt, bringt der Zusammenhang zwischen den zwei Komponenten, so ziemlich jeden zweifelnden Gedanken, den wir uns rund um Kreativität machen können, auf den Punkt. Leider sind unsere Ängste sehr allumfassend, wenn es darum geht etwas zu erschaffen. Wir haben Angst davor, Fehler zu machen (ich glaube eigentlich nicht daran, dass es so etwas wie Fehler in der Kreativität überhaupt gibt!). Angst davor mit anderen oder dem, was andere kreieren, verglichen zu werden. Angst davor, dass das, was wir tun, nicht gut genug ist. So große Angst, dass wir unserer Kreativität oft keine Luft zum Atmen lassen.

Ich glaube, dass jeder einzelne Mensch kreativ ist. Nicht kreativ, im Sinne von Malen, Musizieren, Basteln, etc. – bestimmt können einige mit dieser Art des Kreativ-Seins nichts anfangen. Ich meine kreativ, im Sinne von etwas erschaffen wollen. Etwas kreieren zu wollen ist Teil unseres Mensch-Seins. Egal ob Naturwissenschaftler, Künstler oder Dienstleister – am Ende des Tages, haben unsere Handlungen den Hintergrund, etwas zu konstruieren.

In dem Buch „Big Magic“ hat mich eine Aussage von Elizabeth Gilbert nicht mehr losgelassen. Sie beschreibt darin, dass wir aufhören müssen, unser kreatives Schaffen von Originalität abhängig zu machen und wir stattdessen anfangen sollten, uns auf authentisches Erschaffen zu fokusieren. Ich glaube der Konflikt zwischen Authentiztät und Originalität passt wie die Faust aufs Auge zu unserer Generation.

Informationsflut führt zu Vergleichen

Wir haben heute zugriff zu so vielen Informationen – und das ständig. Das digitale Abbild vom Leben anderer Menschen ist nur einen Mausklick entfernt. Wir können sehen, welche Reise unsere Uni-Kollegin plant, welches Start-Up unsere alten Bekannten gerade aufgezogen haben, wer ein Buch geschrieben hat, wer angefangen hat zu malen, wer welchen Kurs belegt – alles was die Menschen rund um uns machen, erreichen, erschaffen und sich aufgebaut haben, können wir in sekundenschnelle auf unserem Bildschirm sehen. Natürlich kommt man dadurch in die Situation, sein eigenes Tun mit dem der anderen zu vergleichen.

Ich habe mich während all der Vergleiche, die ich so mit meinen digitalen Kollegen gezogen habe, viel zu oft bei den Gedanken erwischt „der macht das doch schon, warum sollte ich das auch noch machen – es gibt schon so viel davon, da muss ich mich ja nicht auch noch anschließen“. Und das in Bezug auf die Themen, die meine Leidenschaft sind, mir unglaublich viel Freude bereiten, mich begeistern und mit denen ich mich gerne stundenlang beschäftige. Das muss man sich einmal vorstellen – wir haben heute so viel Angst davor nicht originell genug zu sein, dass wir ganz darauf vergessen, authentisch unseren eigenen Leidenschaften nachzugehen.

Genau so ging es mir auch mit diesem Blog. Die Seite war vor 2 Jahren schon einmal online, weil ich einfach liebend gerne meine Gedanken niederschreibe. Abgesehen davon probiere ich gerne Neues aus – deswegen habe ich die Seite hier gestartet. Nach ca. 2 Monaten habe ich dann wieder alles offline genommen, weil ich nicht so regelmäßig geschrieben habe, wie das eigentlich mein Plan war und um ehrlich zu sein auch, weil ich Angst vor den Meinungen anderer Leute zu meinen Inhalten hatte.

Blog 2.0

Nachdem ich mein Notizbuch das letzte Jahr aber wieder vollgekritzelt habe, mit Gedanken, Ideen und Inspirationen, wollte ich für all das auch wieder einen schönen digitalen Ort schaffen. Natürlich zusätzlich zu meinen Notiz-Kritzel-Buch, weil ich es einfach liebe, mich darin mit Stift und Papier auszutoben. Dabei kam mir aber auch der Gedanke, dass es keinen Sinn oder Mehrwert für irgendjemanden hat, NOCH eine Seite im Internet zu erstellen, die sich mit Persöhnlichkeitsentwicklung, Produktivität, einem gesunden Lebensstil und all diesen Themen beschäftigt. Dabei verschlinge ich ein Buch nach dem anderen, möchte mich am liebsten den ganzen Tag darüber unterhalten und fühle mich dabei herrlich lebendig und zu 100% wie ich selbst. Also bin ich zu dem Schluss gekommen, dass nicht alles, was wir erschaffen, Sinn haben muss. Wahrscheinlich muss es einfach nur Spaß machen und uns in Begeisterung versetzen.

Authentizität VOR Originalität!

Vielleicht sollten wir uns also das Motto „Authentizität vor Originalität“ zu Herzen nehmen und einfach einmal in den Schaffens-Prozess gehen, ohne ständig nach links und rechts zu schauen. Natürlich macht uns kreieren angreifbar. Wenn man kreiert, öffnet man sich und gibt ein Stück von sich preis – das kann gruselig sein. Aber vor allem (und darauf sollte unser Fokus liegen!) macht es Freude und sorgt für einen gesunden mentalen Ausgleich. Man kann sich austoben, Erlebnisse, Gedanken und Sorgen verarbeiten und im besten Fall etwas tun, bei dem man die Zeit vergisst.

Also darauf geschissen, ob die Idee schon jemand vor dir hatte! Du, mit deiner Person, deinem Charakter, deinem Lebensweg, deiner Herangehensweise, machst deine Kreativität und das was daraus entsteht, zu der authentischsten Sache überhaupt. Also hör auf deine innere Stimme und leg los!

One Reply to “Authentizität vs. Originalität”

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.