Risiken – jeder von uns ist schon welche eingegangen. Jeden hat es dabei schon einmal mächtig auf die Schnauze gehauen und jeder hat dank ihnen schon großartige Situationen erleben dürfen. Viele von uns finden das, was Risiken oft so mit sich bringen, aber nicht ganz so prickelnd – das Gedankenkarusell, das Abwägen, die Entscheidungen und den schlussendlichen Sprung ins Unbekannte.

Die zweite Pubertät

Ich zähle tatsächlich zu den Menschen, die Risiken toll finden und ihr Leben auch so gestalten, um ganz bewusst, immer mal wieder, in „unsichere“ Situationen zu kommen. Mit unsicher meine ich dabei natürlich, das in unserer Gesellschaft – mit dem Glück keines meiner Grundbedürfnisse in Gefahr zu sehen – vorherrschende Verständnis von Risiko. Ich bin gerne unwissend in Bezug auf das, was mich erwartet. Ich treffe gerne impulsive Entscheidungen. Ich lasse mich gerne überraschen und ein kleiner Adrenalin-Junkie bin ich auch.

Seitdem ich auf eigenen Beinen stehe und mein Leben ganz aktiv durch meine Entscheidungen selbst gestalte, hat sich so ziemlich jeder meiner Lebensbereiche schon einmal um 180 Grad gedreht – egal ob Ausbildung, Wohnort, Wohnart, Interessen, Hobbys, Einstellungen. Das ist wahrscheinlich auch nicht ganz so ungewöhnlich in den Zwanzigern, jeder probiert sich aus und versucht herauszufinden, wie das eigene Leben aussehen soll. Eine zweite kleine Pubertät halt.

Gibt es zu viel Sicherheit?

Mir machen diese Risiken und teilweise sehr lebensverändernden Entscheidungen aber weder Angst, noch möchte ich sie missen. Meistens ist sogar das Gegenteil der Fall und ich führe sie ganz bewusst herbei. Wenn jemand in unserer Generation so empfindet, wird der Person oft vorgeworfen, sich nicht festlegen zu wollen, sprunghaft und ständig auf der Suche zu sein. Vielleicht stimmt das ja auch und wir brauchen die vielen Veränderungen, weil der Großteil unseres Lebens in einer dermaßen sicheren Umgebung stattfindet. Wir haben zu essen, ein Dach über dem Kopf, Zugang zu Bildung und müssen keinen Krieg in unserem Land miterleben. Vielleicht ist erhöhte Risikobereitschaft eine Reaktion auf die überall vorherrschenden Sicherheitsvorkehrungen.

Fest steht aber, dass ich mich nicht als ruhelos wahrnehme und auch keine Lust habe, mir länger von irgendjemanden einreden zu lassen, ich müsse mich festlegen oder mir ein sicheres Umfeld schaffen und lieber nichts riskieren. Ich fühle mich in wenigen Situationen ausgeglichener und mehr bei mir selbst, als wenn ich impulsiv und risikoreich agieren kann. Selbstverständlich auf die Art, wie es sich für mich gut anfühlt und ich nicht von außen zu etwas gedrängt werde.

Sorgen und Konsequenzen

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Menschen, denen Sicherheit sehr wichtig ist und die versuchen risikoreiche Entscheidungen zu meiden, sich oft sehr viele Sorgen und Gedanken zu möglichen Konsequezen machen. Diese Konsequenzen sind natürlich real – alles was man tut, zieht Konsequenzen nach sich. Ich kann verstehen, dass die Ungewissheit, was einen nach bestimmten Entscheidungen erwartet, unangenehm sein kann. Die Sache ist nur die, dass alles Konsequenzen mit sich zieht. Auch wenn wir keine Entscheidung treffen und uns für den vermeindlich sicheren Weg entscheiden, hat das Konsequenzen. Ganz oft dann leider die, dass wir das Gefühl bekommen, etwas zu verpassen, unser Potential nicht auszuschöpfen und nicht so richtig glücklich zu sein. Wir sitzen dann lieber auf der Wartebank, weil wir Angst vor etwas haben, von dem wir nicht wissen, ob es passieren wird. Auch die Sorgen sind nachvollziehbar und ein kluger Mechanismus unserer Gedanken, um uns vor Gefahren zu schützen.

Das „Problem“ ist nur, dass unser System mit diesem Mechanismus noch auf Gefahren reagiert, die aus einer ganz anderen Zeit kommen. Aus einer Zeit, in der wir noch vor Löwen davonlaufen mussten und ein Wohnortwechsel mehr Risiko bedeutet hat, als die Ungewissheit, ob der neue Frauenarzt genauso gut sein wird, wie der alte. Soll heißen, die Sorgen, die wir uns heute vor risikoreichen Entscheidungen machen, rauben uns viel Energie, ziehen uns in eine negative Gedankenspirale, die sowohl anstrengend, als auch mental gesundheitsgefährdend sein kann.

Implusivität als Lebenseinstellung

Ich glaube nicht, dass ich eine naive Herangehensweise an Risiken habe – eher eine impulsive. Ich mache mir Gedanken zur jeweiligen Veränderung – die natürlich auch eine wichtige Rolle spielen, wenn es um große Entscheidungen geht – aber dann springe ich einfach (was erstaunlich ist, weil ich in so ziemlich jedem anderen Bereich viel zu kopflastig bin). Und ich springe gerne, weil ich Veränderungen und das Ungewisse liebe. Man kann dabei jedes einzelne Mal so viel lernen, über sich selbst und das Leben. Außerdem bemerke ich immer wieder, dass mir diese Sichtweise einiges erleichtert. Ich habe dadurch das Gefühl, mein Leben genau auf die für mich richtige Art und Weise zu leben, mich zu entfalten, zu entwickeln, dazuzulernen. Man lernt nämlich leider nicht gut in immer der selben Umgebung, mit immer den selben Eindrücken und immer den selben Gedanken. Abgesehen davon, fällt mir in diesem Zusammenhang immer wieder auf, was für ein Urvertrauen ich in das Leben habe. Ich bin einfach fest davon überzeugt, dass mir nichts schlimmes passieren wird, wenn ich mich etwas traue.

Also lasst uns feiern, dass wir in einer Gesellschaft leben, in der wir Risiken eingehen können, ohne Angst um die Sicherheit unserer Grundbedürfnisse haben zu müssen und mal etwas verrücktes und unberechenbares tun. Kostet es aus dieses Leben und nehmt so viel an Erfahrung mit, wie ihr könnt – ihr habt nur dieses eine!

One Reply to “2, 1, Risiko!”

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